Wo ist Walter…ähm, Bund, Kantone und Gemeinden?
Wer was macht und was wir gemeinsam machen
Meret Lory, 29. Oktober 2026
Wer ist im föderalen System Schweiz wofür zuständig? In der Ausstellung über den Föderalismus im Polit-Forum rätseln Besuchende anhand von Wimmelbildern, wie sich Bund, Kantone und Gemeinden die politischen Aufgaben teilen und erkennen, wo wir alle dem Föderalismus täglich begegnen.
Ob eine Strasse, ein Marktplatz oder eine Schule: ein Blick aus dem Fenster genügt, um föderale Strukturen zu entdecken. Wer entscheidet über den Bau der Schule, wer über den in der Schule behandelten Unterrichtsstoff? Wer ist für den öffentlichen Verkehr zuständig? Und wer legt die Regeln für die Hundehaltung fest?
Solche Fragen stellen sich auch Besuchende der Ausstellung Macht und Heimat: Föderalismus in der Schweiz und anderswo im Polit-Forum Bern beim Betrachten der ausgestellten Wimmelbilder mit Szenen aus dem Alltag. An konkreten Beispielen wird aufgezeigt, wie der Schweizer Föderalismus funktioniert – und warum Zusammenarbeit zwischen den Staatsebenen dabei eine wichtige Rolle spielt.
Schule
Die obligatorische Bildung und somit auch die Schulen liegen in der Verantwortung der Kantone. Die Schule ist je nach Kanton unterschiedlich organisiert, aber gemäss Bundesverfassung muss der Schulunterricht für alle obligatorisch und kostenlos sein. Der Schulbetrieb vor Ort wird von den Gemeinden organisiert. Dies ermöglicht lokal angepasste Lösungen. Gemeinden sind z.B. verantwortlich für Bau und Unterhalt von Schulhäusern.
Hunde
Hunde müssen am Wohnort angemeldet und es muss eine Hundesteuer bezahlt werden. Diese ist je nach Gemeinde und Hundeart unterschiedlich hoch. Ob und wann Hunde an der Leine geführt werden müssen, regeln die Kantone. Für bestimmte Hunderassen braucht es in manchen Kantonen eine Bewilligung oder die Haltung ist verboten.
Strassen und Verkehr
Bei Strassen und im Verkehr spielen alle drei Ebenen eine zentrale Rolle. Der Bund ist für Finanzierung, Bau und Betrieb von Nationalstrassen, wie z.B. Autobahnen, zuständig. Die Kantone bezahlen die Kantonsstrassen (mit Unterstützung des Bundes) und erheben die Motorfahrzeugsteuern. Die Gemeinden sind für Planung und Unterhalt der Gemeindestrassen zuständig.
Subsidiaritätsprinzip im eigenen Alltag
Schnell wird klar: Föderalismus ist weit mehr als ein politisches Prinzip. Er prägt unseren Alltag – oft, ohne dass wir es richtig bemerken. Aber wie war das nochmal mit den Staatsebenen und dem Subsidiaritätsprinzip?
Die Gemeinde ist die kleinste politische Einheit in der Schweiz. Sie weiss am besten, was vor Ort gebraucht wird. Darum soll sie möglichst viel selbst entscheiden und viele Aufgaben selbst machen können. Nur wenn es sinnvoll ist, gibt die Gemeinde Aufgaben an den Kanton weiter. Der Bund übernimmt nur Aufgaben, die die Kantone allein oder gemeinsam nicht schaffen, oder wenn es für die ganze Schweiz eine einheitliche Regel braucht.
Alle drei Ebenen übernehmen bestimmte Aufgaben. Manchmal gibt es Überschneidungen. Kantone und Gemeinden organisieren sich teilweise auch untereinander, um Aufgaben lösungsorientiert und effizient zu erledigen. So gibt es Zusammenschlüsse der Kantone, wo sich Regierungsrätinnen und Regierungsräte in Konferenzen treffen und sich zu unterschiedlichen Themen austauschen. Ein Beispiel hierzu ist die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK, deren Mitglieder sich unter anderem der Spitalplanung annehmen, die eine enge Zusammenarbeit der Kantone erfordert, um die medizinische Versorgung sicherstellen zu können. Gemeinsam fördern die Kantone das Zusammenspiel untereinander und lernen voneinander. Auch Gemeinden arbeiten zusammen, um vor Ort, direkt bei der Wohnbevölkerung, ihre Aufgaben umzusetzen, bspw. im Gemeinde- und Städteverband. Um die Zusammenarbeit zwischen Kantonen oder Gemeinden zu regeln, können sie Vereinbarungen treffen. Ein Beispiel hierzu ist das HarmoS-Konkordat, eine interkantonale Vereinbarung, die die obligatorische Schule vereinheitlichen soll.
In der Schweiz erhebt jede der drei Staatsebenen ihre eigenen Steuern und Abgaben, um die ihr zugeordneten Aufgaben erfüllen zu können. Die Autonomie und Verantwortung der Staatsebenen über die eigenen Einnahmen und Ausgaben ist auch im internationalen Vergleich bemerkenswert.
Aspekte des Föderalismus entdecken
Die Ausstellung Macht und Heimat: Föderalismus in der Schweiz und anderswo macht sichtbar, was uns im Alltag oft nicht bewusst ist: Föderalismus begegnet uns überall. Wer sich auf die Wimmelbilder einlässt, entdeckt anhand von konkreten Beispielen, wie Bund, Kantone und Gemeinden zusammenwirken. Diese Aufgabenteilung gilt als einer der zentralen Erfolgsfaktoren der Schweiz. Unser System ist dabei aber nicht statisch: Die Aufgaben werden immer wieder neu verhandelt, aktuell bspw. im Rahmen des Projekts Entflechtung 27, das die Aufgabenteilung in 21 Bereichen zwischen Bund und den Kantonen neu prüft.
Die Ausstellung im Polit-Forum Bern kann noch bis Ende 2026 kostenlos besucht werden.
Hinweis: Einzelne Textbausteine dieses Beitrags sind den Ausstellungstexten entnommen und stammen nicht von der Autorin.

Zur Autorin
Meret Lory ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der ch Stiftung. Sie hat Mehrsprachige Kommunikation und Fachübersetzen an der ZHAW studiert.


